Geschichte  
   


Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass das Ruedertal erst durch die Alemannen, die die Römer im Jahre 401 nach Christi Geburt vollständig aus unserem Lande verdrängt hatten, eine dichtere Besiedlung erfahren hat. Der Name Rued taucht erstmals 1152 als Name eines edlen Geschlechts, der Herren von Ruoda, auf. Im 13. Jahrhundert wird dann ein kiburgisches und später habsburgisches Dienstmannengeschlecht von Rued fassbar. Es ist anzunehmen, dass sich das Gebiet im Besitz der nacheinander folgenden Grafenfamilien des Aargaus befand, seit 1273 also der Habsburger, und zur Ausstattung einer Dienstmannenfamilie verwendet wurde. Auf einer Kuppe des rechtsseitigen unteren Talrandes entstand die Burg, etwas oberhalb im Tal die 1275 zuerst genannte Pfarrkirche, in der sich noch heute ein Grabstein der Margaretha von Rinach aus dem Jahre 1360 befindet. Die ganze Talschaft aber wurde die Twingherrschaft oder Niedergerichtsherrschaft der Herren von Rued. Die Familie spielte im Dienst der Habsburger eine gewisse Rolle und stellte zeitweise den Landvogt im Aargau. Auf irgendeine Weise ist im Verlaufe der vielen Machtverschiebungen der Feudalzeit Burg und Herrschaft Rued teilweise Lehen der Freiherren von Aarburg und teilweise der Herzöge von Teck, eines schwäbischen Seitenzweiges der Herzöge von Zähringen geworden. Man muss deshalb annehmen, dass nach dem Aussterben der Grafen von Lenzburg 1173 die Zähringer sich auch in dieser Gegend irgendwie zur Geltung gebracht haben.

Die Lehensabhängigkeit spielte übrigens erst eine greifbare Rolle, als gegen Ende des 14. Jahrhunderts (1369) die Herren von Rued ausstarben. Nun erlebte die Herrschaft Rued wie andere Besitzungen der Feudalzeit Teilungen und Verpfändungen und immer neue Verkäufe. Zunächst ging sie an die Herren von Büttikon über, dann im 15. Jahrhundert an die Freiherren von Ruessegg, die bernischen Herren von Scharnachtal, die bürgerliche Familie Herport von Willisau (1491), 1516 noch einmal an die Herren von Büttikon und schliesslich 1520 an die bernische Familie May. Auch die Lehensherren haben gewechselt, indem im 15. Jahrhundert an die Stelle der Herzöge von Teck die Bischöfe von Basel traten.

Diese ganzen Veränderungen spielten sich jedoch ab, ohne auf das politische Schicksal des Tales wesentlichen Einfluss auszuüben. Entscheidend war ja bis 1415 die Herrschaft der Habsburger, dann nach offenbar raschem und fast widerstandslosem Übergang die der Berner. Von da an fielen alle wesentlichen Entscheidungen in Bern oder beim Landvogt auf der Lenzburg, in dessen Amtsbezirk auch Rued lag. Nur für das Niedergericht und für Verwaltungs- und Wirtschaftsfragen war die Twingherrschaft zuständig, die vor allem auch zahlreiche finanzielle Rechte besass. Zur Herrschaft Rued kam übrigens, wahrscheinlich im 15. Jahrhundert, noch die Pfarrei Leerau mit den beiden Dörfern Moosleerau und Kirchleerau, die damit auch Bestandteile des Niedergerichtes Rued wurden.

Seit 1520 bis zum Ausgang der bernischen Herrschaft waren die Herren von May Besitzer der Burg und Twingherrschaft Rued. Die May waren ursprünglich um 1400 als Kaufleute aus Italien nach Bern gekommen, spielten jedoch seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts im Staate Bern eine bedeutsame Rolle. Durch sie war Rued in besonders enger Weise mit Bern verknüpft. Auf dem Schloss Rued spielte sich das Leben einer eng mit den Staatsgeschäften und dem fremden Kriegsdienst verbundenen auch mancherlei Interessen pflegenden Familie ab. Das Schloss selbst wurde den wechselnden Bedürfnissen der Zeit entsprechend und häufig umgestaltet und erhielt seine heutige Form im Wesentlichen nach einem Brand im Jahre 1775, der eine völlige Neuanlage erforderte.

Die Gemeinde Rued erlebte unter den May die Reformation, ohne selber hervorzutreten. Sie nahm ziemlichen Anteil an den grossen Bauernunruhen von 1653, während der Herrschaftsherr auf der Gegenseite eine Rolle spielte. Sie sah ihre Bevölkerung ständig wachsen und nahm deshalb die Baumwollweberei weitgehend als Hausindustrie auf, als diese sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts im bernischen Aargau verbreitete. Der bäuerliche Grundzug des Tales blieb jedoch gewahrt und ein Wohlstand konnte sich bei der verhältnismässig starken Bevölkerung nicht bilden.

Das arme Tal bildete auch ein willkommenes Wirkungsfeld von allerlei religiösen Strömungen, die die Staatskirche nicht gerne sah.

Das Ende der bernischen Herrschaft 1798 bedeutete das Ende der Herrschaft Rued. Zwar blieb die Familie May noch mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Schloss und brachte sich zunächst im Aargau auch noch nachdrücklich zur Geltung. Dann musste sie den Besitz jedoch aufgeben und das nun mehrfach den Eigentümer wechselnde Schloss verlor seine Bedeutung im Leben des Tales. Diese wurde im neuen Kanton Aargau zum Bezirk Kulm geschlagen und mit der Zeit völlig in zwei selbständige Gemeinden geschieden. Nur die Kirchgemeinde umfasst noch die ganze Talschaft. Die dichte Bevölkerung fand zunächst weiterhin in der Baumwollindustrie den dringend notwendigen Zusatzverdienst zur Landwirtschaft. Zäh hielt sie daran fest, als nach der Mitte des 19. Jahrhunderts der grosse Niedergang kam. Schliesslich ist aber doch der endgültige Untergang gekommen und ein Ersatz hat sich in ausreichendem Masse hier nicht gefunden. Das Tal war zu abgelegen, die vorhandene Wasserkraft zu schwach. So setzte denn eine starke Auswanderung ein. Von 1850 bis 1900 sank die Bevölkerung sehr stark.

 
Portrait
Behörden und Kommissionen  
Verwaltung
Online-Schalter
Gewerbe und Immobilien
Kultur und Freizeit